Harzwanderung - Bericht

Donnerstag Mittag füllt sich langsam der kleine Platz am Ilfelder Bahnhof. Wir sind eine Gruppe von 10 Leuten, die alle dem Alltag für die nächsten vier Tage entfliehen und die Natur im Südharz erkunden wollen. Bevor es losgeht werden noch wichtige Utensilien wie Lebensmittel, Planen und Kochzubehör zwischen den großen Rucksäcken aufgeteilt.

Die Wanderung startet gleich zu Beginn mit dem Erklimmen des steilen Poppenbergs. Alle sind froh als der Gipfel endlich in Sicht kommt und wir werden mit einem wunderschönen, aber windigen Ausblick über den Wald von einem Aussichtsturm belohnt. Vor dem vorhergesagten Regen werden wir leider nicht verschont. Auf dem Weg zu der Schutzhütte, unserem Übernachtungsplatz für die erste Nacht, platschen die ersten großen Tropfen auf den Waldboden. Wir sehen ganz viele Feuersalamander, denen das nasse Wetter zu gefallen scheint. Nachdem wir bei der letzten Kreuzung erst versehentlich in die falsche Richtung abbiegen, erreichen wir einen kleinen Weiher mit Picknicktisch, nur wenige Minuten von der Hütte entfernt. Hier packen wir die Schneidebretter aus, sammeln Holz und kochen einen leckeren Gemüseeintopf auf dem großen Feuer. Die zusätzlich gebratenen Zucchini sind besonders gut! Zum Glück hat es währenddessen aufgehört zu regnen und alle sind froh sich wieder etwas aufwärmen zu können. Nachdem wir im Dunkeln die letzte Glut gelöscht haben, machen wir uns auf zur Schutzhütte. In dieser ist es zwar etwas eng, aber auch sehr gemütlich und wir schlafen alle schnell ein.

Geweckt werden wir von Vogelgezwitscher und dem Knistern der Plane, die wir als Schutz vor Regen über den Eingang gehängt hatten. Der Plan am nahen See zu frühstücken geht leider nicht auf, da dieser als Teil eines Trinkwasserschutzgebietes umzäunt ist, sodass wir spontan unser Müsli auf einem großen Holzstapel genießen. Wir sind alle traurig als uns später am Tag nach einer Vesperpause (mit Veggi-Wurst!) eine Teilnehmerin wegen Krankheit verlassen muss, zwei von uns begleiten sie noch ins nächste Dorf. Dort machen die beiden gleich noch ein paar Einkäufe während wir anderen schon mal unsere Strecke fortsetzen. Den richtigen Weg zu finden erweist sich jedoch als leichter gesagt als getan, da die Pfade auf unserer Karte nicht immer mit denen in der Realität übereinstimmen. Da muss man schon mal zwischendurch eine Schoko-und-Beratungspause einlegen, aber das Drei-Länder-Eck, das ursprünglich das Ziel gewesen war, finden wir daraufhin trotzdem nicht. Das zweite Problem sind die fehlenden Schutzhütten, die eigentlich in der Karte markiert sind. Von einem Einheimischen erfahren wir, dass sie abgerissen wurden. Wir entscheiden uns deshalb dafür auf einer abgelegenen Lichtung auf einer großen Plane zu schlafen und das Wetter spielt glücklicherweise auch mit. Durch unser flottes Lauftempo hatten wir an diesem Tag viel Strecke zurückgelegt und wir lassen den Abend mit einer entspannten Singrunde mit Gitarre am Lagerfeuer ausklingen. Obwohl es nachts bedeckt ist und man keine Sterne sieht ist es toll unter freiem Himmel zu schlafen und inmitten der Natur zu sein.

An Tag drei brechen wir recht spät von unserem schönen Übernachtungsplatz auf und stoppen gegen Mittag am Birkenmoor.  Bei strahlendem Sonnenschein erreichen wir schon recht früh unseren letzten Lagerplatz. Alle helfen mit ein große Feuerstelle zu bauen und bevor wir uns ans Abendessenkochen machen nehmen wir uns noch Zeit Karten zu spielen. Außerdem wird der Ausblick vom Hochsitz (ein Produkt der Massenproduktion des Onlinehändlers hochsitz24.de) genossen und den Beinen in der mitgebrachten Hängematte eine Laufpause gegönnt. Gegen 22 Uhr treibt uns dann der Regen in das profihafte, selbstgebaute Planenzelt, dass sich glücklicherweise als außerordentlich wasserdicht und stabil erweist. Bei Stirnlampenschein spielen wir dort noch eine ganze Weile weiter Karten.

Die leisen Klänge der Gitarre ersetzen am nächsten Morgen einen Wecker. Nachdem sich alle aus ihren Schlafsäcken geschält haben geht es ans Abbauen der Planenkonstruktion und ans Beseitigen der Überreste der Feuerstelle, was sich als nicht ganz so leicht entpuppt. Die letzte Etappe fällt allen durch die mit der Zeit leichter gewordenen Rucksäcke und abfallenden Wegen leicht. Die Karte entspricht wieder einmal nicht so ganz der Realität, aber wir finden trotzdem mühelos zurück zum Ausgangspunkt: dem Harztor Ilfeld. Das letzte Stück der Tour laufen wir im Tal entlang der Bahngleise und einem kleinen Fluss. Wir beenden die Wanderung mit einem letzten großen Vesper und einem Eis zum Nachtisch.

Die Zeit ging wie im Flug vorbei und es ist traurig sich von den anderen schon verabschieden zu müssen. Die Tage in der Natur waren sehr erholsam und durch das viele Laufen gleichzeitig auch anstrengend. Unsere kleine Gruppe erwies sich in allen Situationen als gutes Team, alle packten zusammen an und wir meisterten gemeinsam jede Hürde. Ich denke jeder hat in der Zeit etwas für sich mitnehmen können und wir werden uns noch lange an vier tolle Tage im Südharz erinnern.

 

Geschrieben von Marie