Bericht: Wanderung von den Seen zur See

In den frühen Morgenstunden ging es zu viert in Stuttgart los. Uns stand ein Tag in vielen Zügen bevor. Um uns die Zeit zu verkürzen fingen wir an Gitarre zu spielen und zu singen. Leider riss uns schon nach wenigen Stunden eine Gitarrensaite. Natürlich hatten wir den Verlust einer Gitarrensaite in unserer Planung nicht mit einkalkuliert und keinen Ersatz dabei. Doch als wir noch überlegten, ob die Zeit beim nächsten Umstieg für die Suche nach einem Musikgeschäft ausreichen würde, gesellte sich eine nette junge Frau zu uns. Mit ihr unterhielten wir uns über unsere bevorstehende Wanderung und fragten sie, ob sie nicht zufällig von einem Musikgeschäft in Erfurt wisse. Doch wie es der Zufall wollte, hatte sie Gitarrensaiten in ihrem Koffer und schenkte uns die fehlende.

Als wir am Abend in Neustrelitz ankamen, fing es leicht an zu regnen. Das konnte uns jedoch nicht demotivieren und nach einem kurzen Schauer sahen wir einen wundervollen dreifachen Regenbogen.

Wie wir es von der Mecklenburgischen Seenplatte erwartet hatten, war es zum nächsten See nicht weit und so kochten wir uns dort noch schnell ein paar Nudeln und schliefen unter einem funkelnden Sternenhimmel ein.

Die verhältnismäßig sehr kalte Nacht wurde von der strahlenden Morgensonne erwärmt. Als die letzten Nebelschwaden über dem See von der Sonne vertrieben wurden, machten wir uns nach einem Müsli Frühstück mit viel Obst auf in den schon hitze verheißenden Tag. Durch den angenehm kühlen Wind und die vielen Alleen mit großen alten Bäumen, die sich durch die Landschaft schlängelnden, waren die heißen Mittagsstunden jedoch gut zu überstehen.

Wie jeden Mittag gab es auch am ersten Tag Brot mit verschiedensten Aufstrichen. Die Mittagspause im kühlen, feuchten Wald, gestaltete sich nach kurzer Zeit leider nicht so angenehm wie wir es uns erhofft hatten. Kleine, summende, fliegende und NERVIGE Mücken fühlten sich in der sumpfigen Umgebung auch sehr wohl… doch das sollte nicht unsere letzte Begegnung mit den kleinen Freunden sein. (Aber was erwarteten wir auch, wir waren im Hochsommer in einem Gebiet voller stiller Seen unterwegs!)

Gegen Nachmittag gingen unsere Wasservorräte meist zur Neige und wir mussten uns ums auffüllen kümmern. Wie es auf solchen Wanderfahrten üblich ist, klingelten wir bei freundlich aussehenden Häusern und baten darum, als kleine Wandertruppe unsere Wassergefäße auffüllen zu dürfen. Dabei begegneten uns die verschiedensten Leute. Aber alle waren freundlich und kamen unserer Bitte nach. Auffallend war in dieser Gegend allerdings, dass uns die meisten Menschen nicht in ihr Haus ließen, sondern die Flaschen entgegennahmen und sie uns gefüllt wieder brachten. Einmal bekamen zwei von uns beim Warten einen Kaffee von einer sehr netten, alten Dame aufgebrüht. Sie stünde in der Küche und habe gerade sowieso nichts zu tun. Sie ließ es sich einfach nicht nehmen.

Die Tage gingen vorbei und wir kamen gut voran. Über die Landschaft lässt sich gar nicht viel sagen. Abgesehen von wahrlich riesigen Feldern und Wiesen, ein paar kleinen Dörfern, welche kaum diese Betitelung verdienen, und ab und zu mal ein Kiefernwald gab es die Tage über nicht viel zu sehen, ausgenommen natürlich von den Seen. Diese verschafften uns jeden Abend (bis auf die letzten) eine angenehme Abkühlung und eine erholsame Nacht mit einer wunderschönen Aussicht am nächsten Morgen. Insgesamt begegneten wir wenigen Menschen, schon gar keinen anderen Wanderern. Auch an den Asphaltwegen, die als Wanderwege ausgeschrieben waren, erkannten wir, dass wir uns in keiner typischen Wandergegend befanden. Trotzdem war es interessant, diesen Teil Deutschland mit eigenen Augen und Füßen zu erkunden.

Am vierten Tag stießen zwei weitere Freunde zu uns, nun waren wir zu sechst. Meistens liefen wir auch in einer Gruppe. Es entstanden spannende Gespräche, es wurden Spiele gespielt und viel diskutiert.

Abends wurden verschiedene Wehwehchen, wie Blasen, schmerzende Zehen und Sonnenbrände behandelt. Insgesamt ging es uns aber die ganze Zeit gut.

Mit dem Wetter hatten wir großes Glück. Nur in einer Nacht (in der wir in einem alten Schlossgarten übernachtet haben) begann es zu regnen, weswegen wir eine große Plane zu einer sogenannten Kröte aufbauten. Darunter blieben wir und unser Gepäck trocken.

Wie schon gesagt waren alle Leute, die wir trafen nett und hilfsbereit, bis auf einen. Denn ein Jagdpächter fand es gar nicht lustig und hatte auch überhaupt kein Verständnis dafür, dass wir beschlossen hatten auf seinen gepachteten Ländereien zu übernachten und sogar die Frechheit besessen hatten auf dem fünf Meter breiten Weg ein kleines Feuer zum Kochen zu entfachen. Zum Glück waren wir gerade fertig mit Essen als er mit seinem Geländewagen angerauscht kam (und auch den Motor während der ganzen Diskussion nicht abstellte). Nach einigem Hin und Her gaben wir uns jedoch geschlagen und veranstalteten eine kleine Nachtwanderung. So fanden wir noch einen Schlafplatz, an dem wir bleiben konnten.

Während unserer gesamten Wanderung begegnete uns immer wieder der Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) in Form von Schlössern, die renoviert und für den Tourismus wieder aufgebaut werden. Dies berichten wir nur, weil uns gar nicht bewusst war wie viele, im Sozialismus verkommene, Gebäude es dort gibt und wir es erfreulich finden, dass diese auch wieder restauriert werden.

Als wir die Mecklenburgische Seenplatte verlassen hatten, kamen wir in die sogenannte „Mecklenburgischen Schweiz“. Diese heißt nur so weil es dort ein paar Hügel gibt. Aber jeder Schweizer würde sie allenfalls belächeln und auch wir, die wir von dort aus gesehen schon fast am Rand der Alpen wohnen, fanden sie nicht sonderlich spannend. So durchquerten wir sie schnell an der Straße stehend mit dem Daumen in der Luft. Dazu teilten wir uns in Zweiergruppen auf und trafen uns am Stadtrand von Rostock wieder.

Unser letzter gemeinsamer Wandertag brachte uns dann durch die wunderschöne Rostocker Heide, welche von machen von uns auch als Märchenwald bezeichnet wurde, bis an die Küste der Ostsee. Dort verbrachten wir die Nacht am Strand, was im Nachhinein betrachtet keine so gute Idee war. Denn wir wissen zwar nicht wie, aber der Sand schaffte es einfach überall hin- und reinzukommen. Am nächsten Tag mussten leider zwei von uns schon wieder die Rückfahrt antreten. So machten wir uns zu viert noch einen gemütlichen Tag am Strand. Nach langen Überlegungen, wie es denn jetzt noch für zwei Tage weiter gehen könnte, kamen wir zu dem Schluss, dass wir im Grunde unser Ziel (die Ostsee) erreicht haben. So beschlossen wir, am kommenden Tag schon den Rückweg anzutreten und suchten uns einen Schlafplatz, der etwas im Landesinneren lag und somit auch nicht voller Sand war.

Die Rückfahrt gestaltete sich jedoch schwieriger als gedacht, denn gleich der erste Zug, welcher auch gleichzeitig der einzige war, mit dem wir in einem Tag nachhause gekommen wären, fiel aus. So mussten wir spontan umplanen. Da wir unser Ticket schon gekauft hatten, fuhren wir nach Braunschweig und verbrachten noch eine Nacht in der dortigen Christengemeinschaft. So kamen wir einen Tag später als geplant daheim an, jedoch mit einer Geschichte mehr im Gepäck.

Für die Gruppe verfasst von Olga, Franzi und Arwed